Impuls zum Aschermittwoch

Mit dem Aschermittwoch beginnen wir wieder die diesjährige Fastenzeit und auch eine „neue Zeit“: Wir Christen umschreiben diese Zeit österliche Bußzeit. Es ist somit eine Zeit der Vorbereitung auf das christliche Fest schlechthin, auf Ostern. Es ist das Fest des Lebens  und der Auferstehung.

Im Volksmund spricht man davon, dass am Aschermittwoch alles vorbei ist oder besser vorbei sein möge. Mit dem Vorbei sein ist aber nicht die Freude des Lebens oder des Faschings gemeint. Alles das, was dem Leben entgegensteht und zum Tode führt, das soll vorbei sein. Wir Menschen bekommen doch von Gott immer wieder die Chance eines neuen Anfangs und die Möglichkeit der Umkehr geschenkt. Wir wissen alle, wie wichtig das für das Gelingen unseres Lebens ist, neu beginnen zu können oder neu anfangen zu dürfen.

Unser Glaube sagt uns, dieser „neue Anfang“ ist ein Geschenk von Gott! Für diesen Neuanfang werden uns in der Liturgie vom Aschermittwoch Mut machende Worte des Apostels Paulus aus dem zweiten Brief an die Korinther mit auf dem Weg gegeben:

„Siehe, jetzt ist sie da, die Zeit der Gnade; siehe, jetzt ist er da, der Tag der Rettung. Lasst euch mit Gott versöhnen!“ (aus 2 Kor 5,20-6,2)

Dieser beeindruckende Satz des Apostels Paulus sagt aus: Die Fastenzeit ist ein persönliches Geschenk an mich und an alle, die dafür offen und bereit sind. Wer von uns wünscht ihn sich nicht, den Neubeginn?
Für diesen Neuanfang bedarf es von unserer Seite aus eine gewisse Bereitschaft, das eine oder andere auch zu ändern. Wie ist mein Verhältnis zu meinem Nächsten, welche Gedanken trage ich in mir und äußere sie zum Nutzen der anderen? Wie sieht es aus in mir, einmal mehr zu schweigen als sofort zu reagieren? Wie sieht es aus, wenn ich das Wort ergreife, um auf etwas hinzuweisen, was gerade in die falsche Richtung geht? Auf was will oder sollte in der nächsten Zeit verzichten, um mir wieder selber näher kommen zu können? Was will Gott mir in meinem persönlichen Fasten neues zeigen? Die Bereitschaft, die wir für diesen Neubeginn benötigen, die wird beim Austeilen der Asche mit zwei Sätzen auf den Punkt und für uns zum Ausdruck gebracht:

 „Kehr um und glaub an das Evangelium!“ (vgl. Mk 1,15)

Oder im Plural gesprochen: „Bekehrt euch und vertraut dem Evangelium!“

Das will sagen, dass wir alle zur Freiheit der Kinder Gottes berufen sind und diesem Ruf nachzugehen und auf ihn zu hören, das ist ein Fasten, wie es Gott gefällt. Diesen Gedanken bringt der Franziskaner Pater Anton Rotzetter für mich in einem Gebet Mut machend und bestärkend auf den Punkt:

Du Gott, von dir kommt alles, was gut ist. Erfülle mich wieder ganz mit deiner Wahrheit und Liebe über meine Gedanken, dass ich Gutes denke; über meine Augen, dass ich Gutes sehe; über meine Ohren, dass ich Gutes höre; über meinen Mund, dass ich Gutes rede; über meine Gefühle, dass ich Gutes erspüre; über mein Herz, dass ich Gutes liebe; über meine Hände, dass ich Gutes tue; über meine Füße, dass ich gute Wege gehe. Ergreife du Gott mich, damit ich gut bin. Ergreife du die Macht über diese Welt, damit das Gute durch uns siegt.

Ich wünsche Ihnen allen eine gesegnete und Geist des Neubeginns geprägte Fastenzeit 2022.

Pfarrer Stefan Ruf