Impuls zum 27. Februar

„Edel sei der Mensch, hilfreich und gut !“

Dieser bekannte Satz vom Anfang eines Gedichtes von Johann Wolfgang von Goethe könnte einem in den Sinn kommen, wenn man das heutige Evangelium liest. Und zugleich brasseln die Gegeneinwürfe in die Gedankenwelt, dass der Mensch doch alles andere als edel und gut sei: „Der Mensch ist des Menschen Wolf“ könnte man dagegen halten. Und man hätte genügend Beispiele, um das zu belegen: Die Schlechtigkeit der Menschen bis hin zu Skandalen, Gewalttaten, Missbräuchen und Perversitäten. Ja, und genau dieses breite Spektrum des Menschen wird in den heutigen biblischen Texten in der Lesung und im Evangelium angesprochen. Ja, das ist der Mensch, der beide Seiten in sich trägt und zu beiden Extremen fähig ist. Getragen von den vielfältigsten Lebenserfahrungen mit anderen Menschen, Lebenssituationen und mit Gott entwirft die heutige Lesung aus dem Buch Sirach in alltäglichen Vergleichen Lebensweisheiten.

Und auch das Evangelium basiert auf diesen Erfahrungen und gibt konkrete Warnungen und Mahnungen. Jedoch nicht nur konkrete Hinweise lesen wir, sondern es wird auch eine Haltung, eine Geisteshaltung, eine Sinnes- und Herzenshaltung angesprochen. Ja mehr noch: Sie ist die eigentliche Ursache der diversen Taten, ob gut oder böse. „Ein guter Mensch bringt Gutes hervor, weil in seinem Herzen Gutes ist; und ein böser Mensch bringt Böses hervor, weil in seinem Herzen Böses ist“ (Lk 6, 45a) Und jetzt, quasi nach diesem Tatsachenbericht, kommt Jesus mit der Frohbotschaft ins Spiel. Jesus „wirbt“ für das Gute im Menschen, da es in seinem und unser aller Gott, dem Vater, gegründet ist. Die Negativbeispiele sollen dafür sein, sich für eine künftige Haltung des Guten zu entscheiden und seine Taten danach auszurichten. Dann wird und ist der Mensch heil und lebt nach seiner eigentlichen von Gott gegebenen Bestimmung. Dann ist er nicht mehr ein „Heuchler“ (Lk 6,42), der dem Verqueren nachgeht, sondern seiner eigentlichen Bestimmung folgt. Weil er sich seiner Würde und seine von Gott gegebenen Gnade bewußt wird, handelt er gut und hilfreich. Und dann sind wir dem Zitat von Goethe in unserer Ausgangsüberlegung nicht mehr ganz so unrealistisch auf der Spur. Und in Verbindung mit dem letzten Satz des Evangeliums haben wir sogar die sprudelnde und strahlende Auswirkung einer solch guten Geisteshaltung beschrieben: „Wovon das Herz voll ist, davon spricht der Mund“ (Lk 6,45b). Menschen, die dann manchmal wie ein Wasserfall reden und begeistert von ihren Dingen erzählen, sind ganz bei sich, von Herzen frei und vom Geist inspiriert.

Beten wir zu Gott, dem Urheber alles Guten, dass er uns auf vielfältige Weise dies immer neu in unserem Leben zeigt und uns in Erinnerung ruft, sodass wir gut danach handeln und in einem „Halleluja“ ihm danken können.

In diesem Sinne wünsche ich allen Leser*innen einen erholsamen, guten und inspirierenden Sonntag!

Harald Stehle, Diakon (im Zivilberuf)
Seelsorgeeinheit Biberach